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MACBETH von Heiner Müller nach Shakespeare


Sascha Nathan, Tilo Nest - Foto (c) Goetzmann/wrb



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Im März 1972 wurde im Theater Brandenburg Müllers Bearbeitung von Shakespeares Tragödie Macbeth uraufgeführt. Nach eigenem Bekunden wollte Müller „Zeile für Zeile“ dieses Stück, das ihm unter Shakespeares Dramen besonders wenig gefiel, übersetzend ändern.



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Kathrin Welisch, Ingo Hülsmann - Foto (c) Goetzmann/wrb



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In deutlicher Wendung gegen die tradierte Rezeption, die an der Vorlage die Züge des Seelendramas noch verstärkt hatte oder göttliches Fatum walten sah, drängt er die Psychologie der Gewissensqualen rigoros an den Rand und erzählt in äußerster Verknappung die Story eines brutalen und blutigen feudalen Machtkampfs.



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Constanze Becker als Lady Macbeth - Foto (c) Goetzmann/wrb



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Während bei Shakespeare Macbeth’ Herrschaft eingerahmt wird von den positiven Herrscherfiguren Duncan und Malcolm, läßt Müller sämtliche Akteure roh, mörderisch, machtgierig, zynisch und opportunistisch erscheinen. Die Zeit der Macbeth-Herrschaft bleibt eine bloße Etappe im Räderwerk des blutigen Geschichtslaufs. Ob diese Szenerie aus Macht, Mord, Krieg und neuer Macht den Namen Geschichte zu Recht trägt, ist fraglich.



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Hecate, die 3 Hexen, Macbeth - Foto (c) Goetzmann/wrb



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Shakespeare ist der Dramatiker des epochalen Umbruchs zwischen feudal-mittelalterlicher und bürgerlich-kapitalistischer Welt, doch in Müllers Bearbeitung erblickt man auf der Bühne ein zeitloses Gemetzel um Macht und Überleben, ohne Erinnerung an eine gute Vergangenheit oder einen Hoffnungsschimmer von der Zukunft her: „Mein Tod wird euch die Welt nicht besser machen“ sind Macbeth’ letzte Worte. „Die Welt hat keinen Ausweg als zum Schinder.“ Müller zeigt eine Geschichte im Stillstand. (BE)



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Sascha Nathan, Constanze Becker - Foto (c) Goetzmann/wrb



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