FILMTAGE

... im Gegenteil ... denn die Crew um die Künstlerische Leiterin Linde Fröhlich hatte voraus und ein Festival im Internet schon miteingeplant, denn von den meisten Filme, die heute produziert werden, gibt es auch eine elektronische Version. Und mit dem Einverständnis der Produzenten sind die dann auch im Internet abspielbar.


... da war die (Kino-) Welt noch in Ordnung...

Die Filmtage-Crew mit dem Bürgermeister (M.) - Foto: Goetzmann/wrb


Gedacht - getan: Von den rund 160 Filmen, die für die 11 Kinosäle geplant waren, konnten die Lübecker Organisatoren ca. 140 im Internet bereitstellen, die jetzt aber zu jeder Zeit - also rund um die Uhr - für jeden einzelnen Filmfreund abrufbar waren; und das sogar acht Tage lang: von Mittwoch, dem 04.11., bis Mittwoch, dem 11.11. 2020 - soviel Freiheit bei der Programmauswahl gab es noch nie ... Der Wermutstropfen dabei: auch die Internet-Filmtagebesucher mußten sich ihre 'Eintrittskarte' für den Filmbesuch zuhause an der 'Internetkasse' kaufen; zwar etwas ermäßigt gegenüber der Kinokasse, aber € 7,00 kostete sie auch ... andererseits konnten zuhause ja auch mehr als nur eine Person vor dem Bildschirm sitzen.


Der NDR-Filmpreis - 12.500,- €

Damir Onackis in DIE GRUBE (Lettland 2020) (c) Marana Production


Obwohl die Kinosäle also dunkel und leer blieben und man an der Theke auch kein Popcorn und keine Cola kaufen konnte, auch keine Warteschlange vor dem Einlaß zu befürchten hatte, lief im Hintergrund alles wie üblich: es gab eine kleine Eröffnungsveranstaltung (online), die Juries tagten bzw. sichteten zuhause die zu prämierenden Filme, die als Beste ihrer Kategorie immerhin mit insgesamt € 57.500,00 (das sind keine Steuergelder!) ausgezeichnet wurden.
Auch die Filmpreisnacht am Sonnabend im Großen Haus des Lübecker Theaters fand statt: nur eben vor leeren Rängen - aber: auch sie konnte man online im Internet verfolgen, so wie viele der preisgekrönten Regisseure (das schließt die weiblichen mit ein), die sich per Video-Botschaft aus Nord- und Osteuropa meldeten und bedankten.
Die Veranstalter zeigten sich auf einer Pressekonferenz am Sonntagmittag sehr zufrieden - vor allem was den Verkauf der online-Tickets betraf: über 3.600 Nutzer hatten rund 7.500 Tickets für je 1 Film gekauft; so die Zwischenbilanz.


Festivalleiterin Linde Fröhlich zum Abschied: Ledergürtel mit Filmtage-Signet - Foto: Goetzmann/wrb


Hinter den Kulissen und auch halböffentlich auf der Filmpreisnacht gab es dann noch einen personellen Wechsel: die langjährige künstlerische Leiterin Linde Fröhlich, die rund 40 Jahre dem Lübecker Festival in verschiedenen Positionen verbunden war, scheidet mit Jahresende aus Altersgründen (Planstelle bei der Stadt) aus. Ihre Position übernimmt Thomas Hailer (Jg.1959), langjähriger Mitarbeiter bei der Berlinale, der das Profil der 'Nordischen' weiterführen und -entwickeln will.


Neuer Künstlerischer Leiter Thomas Hailer - Foto: Goetzmann/wrb


FAZIT: Natürlich ist ein Filmtreffen, zumal das Lübecker, das seit seinem Start im Jahre 1957 immer als eines der familiärsten galt, ohne sein Publikum ein ganz anderes oder gar keins ... aber Festivals oder Filmtage sind auch immer Informationstreffen, bei denen ein Fachpublikum und Journalisten sich informieren, weil hier auf gedrängtem Raum viel über ihr Thema Film zu erfahren ist; spartenspezifisch: Spielfilm (Cannes, Berlin), Dokumentarfilm (Duisburg, Leipzig) etc., oder eben länderspezifisch wie seit Jahrzehnten in Lübeck.
Und da dieser Chronist einer ist, den das Medium Film mehr interessiert als der Kinobesuch mit Popcorn und Cola und das soziale Umfeld drumherum, hat er diese neue Version der Nordischen Filmtage sehr genossen: frei in der Auswahl und frei von zeitlichen und lokalen Abhängigkeiten.
Schön wäre es, wenn der neue Künstlerische Leiter beide Versionen - real und digital - nebeneinander weiterführen könnte. goe


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